Viele unserer Kundinnen und Kunden bieten ihre Website in mehreren Sprachen an. Häufig haben die Unternehmen bereits Kontakte in anderen Ländern, andere möchten ihre Reichweite erhöhen. Gelegentlich sind es auch Unternehmen aus Ländern, die an sich schon mehrsprachig sind, die Schweiz etwa, Luxemburg oder auch Kanada. Hier ist es üblich, alle Ländersprachen anzubieten.

Wie baut man eine mehrsprachige Website am besten auf?
Gleich vorneweg: Es gibt ihn natürlich nicht, den besten Weg. Es kommt sehr auf den Inhalt der Website an. Die folgenden drei Fragen helfen bei der Orientierung.

1. Welche Art von Inhalten gibt es auf der Website?

Gibt es vielleicht ein Blog in mehreren Sprachen? Dann sammeln sich schnell viele Inhalte an, die von WordPress dynamisch bewegt werden.
Oder geht es vor allem darum, ein paar ausgewählte Informationen in verschiedenen Sprachen zu präsentieren? Das wäre dann ein eher statischer Inhalt, der selten geändert wird.

2. Haben alle Sprachversionen ähnlich viele Inhalte?

Nicht immer sollen alle Beiträge und Seiten in jeder Sprache vorhanden sein. Es könnte beispielsweise sein, dass das Blog nur in der Hauptsprache gepflegt wird und in den anderen Sprachversionen nur die wichtigsten Seiten erscheinen sollen.

3. Hat die Website komplexe Funktionalitäten, beispielsweise einen Shop?

In diesem Fall werden viele Seiten aus Informationen generiert, die irgendwo in der Datenbank vorgehalten werden. Bei einem Shop sind das beispielsweise die Checkout-Seite oder auch die eMails, die erzeugt werden.
Hier ist es relativ komplex, die Sprachen getrennt zu halten und alles korrekt auszugeben.
Dazu kommt, dass in einem Shop viele Plugins miteinander arbeiten, die untereinander Informationen weiterreichen. Diese Abläufe korrekt in Sprachen getrennt zu organisieren kann kompliziert werden.

Zwei technische Methoden für Mehrsprachigkeit

Wenn man WordPress neu installiert, legt man eine Sprache für die gesamte Website fest. Wenn eine Website mehrere Sprachen haben soll, muss man zusätzliche Sprachen anlegen können. Gleichzeitig müssen die verschiedenen Sprachversionen miteinander verknüpft werden.

Um das umzusetzen gibt es zwei unterschiedliche Prinzipien:

  • Alle Sprachen werden innerhalb einer Website verwaltet
  • Jede Sprachversion bekommt eine eigene Website innerhalb einer WordPress Multisite

Methode 1: Mehrere Sprachversionen innerhalb einer Website

Die meisten Plugins arbeiten nach dieser Methode. Viele sind in einer freien Version im WordPress Repository erhältlich, einige gibt es ausschließlich als Premium Plugin.

Das bekannteste freie Plugin ist meines Erachtens Polylang. Dafür ist ebenfalls eine Premium-Version erhältlich, die dann nochmal einiges an zusätzlichen Funktionen bietet.

Das bekannteste Premium-Plugin ist vermutlich WPML. Je nach Projektanforderungen kann man hier verschiedene Pakete mit unterschiedlichem Umfang kaufen.

Funktionsweise

Beide Plugins funktionieren nach demselben Prinzip: Man definiert, welche Sprache die bereits bestehenden Inhalte haben und legt dann innerhalb der Website zusätzliche Sprachen an. Ich gehe bei einer ganz neuen Website in der Regel so vor, dass ich zunächst eine Sprachversion weitgehend fertigstelle, ehe ich eine weitere Sprache anlege.

Danach pflege ich die Inhalte in der zusätzlichen Sprache ein und verknüpfe sie mit den bereits vorhandenen Inhalten. Das heißt, die deutschsprachige Startseite wird mit der englischsprachigen verbunden, und so weiter für alle Seiten und Beiträge.
Hat eine einsprachige Website beispielsweise 10 Seiten und 20 Blogbeiträge, so hat sie bei zwei Sprachversionen dann 20 Seiten und 40 Blogbeiträge.

Hier wird vielleicht auch klar, wo diese Methode an ihre Grenzen stößt: Wenn viele Inhalte zu verwalten sind und diese in mehreren Sprachen angeboten werden sollen, kann das sehr schnell unübersichtlich werden. Technisch wird es bei vielen Inhalten schnell sehr komplex. Für jede Sprache wird quasi eine neue Ebene eingezogen. Diese Ebenen müssen miteinander verknüpft werden, alle Daten werden zwischen diesen Ebenen hin- und hergeschoben. Das ist durchaus fehleranfällig.

Methode 2: Eine Website pro Sprachversion innerhalb einer WordPress Multisite

Es gibt meines Wissens nur ein Plugin, mit dessen Hilfe diese Methode umgesetzt werden kann: MultilingualPress.

Funktionsweise

Jede Sprachversion bekommt eine eigene Website. Alle Websites werden innerhalb einer WordPress-Multisite organisiert. Es ist nur eine WordPress-Installation nötig, alle Websites nutzen dasselbe Theme und dieselben Plugins.

Auch hier gehe ich am liebsten so vor, dass ich zunächst die Website der Hauptsprache inhaltlich so gut wie fertigstelle und danach die Umstellung auf die Multisite durchführe. MultilingualPress sorgt dann dafür, dass alle Seiten und Beiträge übernommen werden. Es müssen nur noch die Inhalte eingebaut werden. Wenn man einen Beitrag neu erstellt kann man alle Sprachversionen in derselben Maske bearbeiten.

Welche Lösung eignet sich für wen?

Pro und Contra MultilingualPress

Das große Plus für mich: Die Inhalte sind sauber getrennt. Kuddelmuddel zwischen den Sprachen ist so gut wie unmöglich. Auch die Pflege ist meines Erachtens einfacher, da man immer weiß, in welcher Sprachversion man sich gerade bewegt.

MultilingualPress braucht allerdings eine WordPress Multisite. Das ist eine ziemlich coole Erfindung, finde ich. Eine Multisite verhält sich in manchen Dingen etwas anders als eine einfache Website. Es gibt eine Reihe von zusätzlichen Einstellungsmöglichkeiten und damit zusätzliche Fehlerquellen. Es sind auch lang nicht alle Plugins dafür ausgelegt, in einer Multisite-Umgebung eingesetzt zu werden.

Das Plugin MultilingualPress funktioniert ganz hervorragend und hat darüberhinaus einen wirklich fitten Support.
Aber es kostet ein bisschen was: Das Jahresabo kostet in der kleinsten Version 199€ (inkl. Mwst.)*. Dazu kommt, dass man bei vielen Premium-Plugins nicht mit der einfachsten Version arbeiten kann, wenn man sie in der Multisite einsetzen möchte. Unterm Strich kann hier einiges an Kosten zusammenkommen.

Erfahrungen aus der Praxis

Wir halten es in der Regel so: Wer nicht sehr viele Inhalte hat kommt mit Methode 1 ganz gut zurecht. Ob Polylang, WPML oder eines der vielen anderen Plugins im Repository ist dann eher Geschmacksfrage. Wir haben uns für Polylang entschieden, das auch unsere Website hier zweisprachig macht.

Meine persönliche Vorliebe ist MultilingualPress. Für viele Projekte wäre eine Multisite jedoch viel zu aufwändig.
Aber es gibt Projekte, bei denen dieser Aufwand gerechtfertigt ist. Wenn man viele Stunden mit Fehlersuche verbringt, weil die Sprachen sich verknotet haben und Element X partout nicht englisch sprechen will, relativieren sich die Investitionskosten schnell.

Wir haben einige größere Blogs und Websites mit vielen Sprachen bzw. vielen Inhalten in Multisites mit MultilingualPress überführt. Seither gab es keinerlei Sprachverwirrungen mehr.


*Es gab das Gerücht, dass es eine kostenfreie Version von MultilingualPress 3 geben könnte, ich habe bisher aber nichts weiter davon gehört. Die Version, die man derzeit im Repository findet, ist die Version 2, die nicht mit Gutenberg kompatibel ist.